«Menschen sind träge – und das bei jeder Veränderung.»

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David Wolfensberger, Geschäftsführer der W&W Immo Informatik AG, spricht mit uns über sein Unternehmen, über die Wichtigkeit von Kundennähe und über die vergangenen und künftigen Veränderungen im Alltag der BewirtschafterInnen.

Du bist aktuell bei W&W Immo Informatik AG als Geschäftsleiter tätig. Kannst du mir in zwei Sätzen erläutern, was die W&W Immo Informatik AG tut?

Die W&W Immo Informatik AG versucht die ganze Wertschöpfungskette der Immobilienbewirtschaftungs-Software abzubilden. Wir entwickeln, verkaufen und supporten Software für die Immobilienbewirtschaftung.

Wie kam’s zur Gründung des Unternehmens?

Die Unternehmung wurde 1981 von meinem Vater und seinem damaligen Geschäftspartner gegründet. Die beiden erkannten das Potential in der aufkommenden, elektronischen Datenverarbeitung (EDV) schon früh und programmierten Software für öffentliche Verwaltungen. Die Immobilienbewirtschaftung kam zufällig dazu und es kristallisierten sich zwei Sparten, die öffentliche Verwaltung und die Immobilienbewirtschaftung heraus. Nach einer 20-jährigen Partnerschaft trennten sich die beiden und mein Vater übernahm die heutige W&W Immo Informatik AG, also die Bewirtschaftungssparte.

Was unterscheidet deine Firma von einem PropTech-Unternehmen, das auch technologischen Fortschritt in die Immobilienbranche bringt?

Im Vergleich zu einem ProTech-Unternehmen sind wir ein solides Unternehmen. Die Mentalität der PropTech-Firmen ist von Agilität und Schnelligkeit geprägt. Mit über 70 Mitarbeiter und 3’000 Kunden sind wir vermutlich träge(r). Während ein PropTech sich mit seinen Ideen auf einer grünen Wiese austoben kann, werden Richtungswechsel von unseren Kunden kritisch hinterfragt. 


«Die Mentalität der PropTech-Firmen ist von Agilität und Schnelligkeit geprägt.»


 

«Als «KMU für KMU» arbeitet W&W mit den Kunden auf gleicher Augenhöhe», steht auf eurer Webseite geschrieben. Was bedeutet Kundennähe für dich?

Unser Credo ist es, nahe beim Kunden zu sein, ihn und seine Probleme zu verstehen und geeignete Lösungsansätze zu offerieren. Auf der persönlichen Ebene möchten wir die Bedürfnisse der Kunden abholen und als Softwarehersteller den Support gewährleisten. Dazu beziehen wir unsere Kunden bestmöglich in die Entwicklung und Weiterentwicklung unserer Produktlinien mit ein.

Weshalb ist die Kundennähe für dich als Geschäftsführer so wichtig?

Die Kundennähe und -zufriedenheit ist Teil unserer Firmen-DNA. Ich tausche mich gerne mit unseren Kunden aus und versuche dabei herauszuspüren, was sie beschäftigt, welche Bedürfnisse sie haben und welche Lösungsansätze sie vorschlagen. Damit ich die richtigen Schwerpunkte in der Entwicklung der Firma legen kann, möchte ich so nahe wie möglich am Kunde sein.

BewirtschafterInnen sind je länger je mehr in einer sogenannten «Sandwich»-Position zwischen den Eigentümern, die keinesfalls einen Leerstand verzeichnen möchten und den Mietinteressenten, die ihre Ansprüche mitbringen. Wie hat sich der Alltag eurer Kunden in den letzten fünf Jahren verändert?

Diese Position halten die Bewirtschafter schon immer inne. Allerdings wird der Alltag für einen Bewirtschafter durch die Marktveränderungen immer komplexer, trotz der Tatsache, dass mit guter Software zu standardisieren und vereinfachen versucht wird. Ob die steigenden Leerstände die Bewirtschafter mehr unter Druck setzen: Jein. Das ist abhängig von den Preissegmenten, der geografischen Lage der Wohnobjekte, etc.

Der Alltag wird komplexer. Inwiefern?

Die Komplexität ist im Sinne von hohen Anforderungen an einen Bewirtschafter gestiegen. Es wird verlangt, dass er alles über das Bauen, das Mietrecht und über die Mehrwertsteuer weiss. Dadurch steht er unter permanentem Druck.


«Die Komplexität ist im Sinne von hohen Anforderungen an einen Bewirtschafter gestiegen.»


 

Wie glaubst du wird sich der Alltag deiner Kunden in Zukunft weiter verändern?

Ihr Alltag wird noch komplexer. Jedoch gewinnen sie durch gute Softwarelösungen, die repetitive Aufgaben übernehmen, Zeit. Diese können sie zum Beispiel für die Informationsbereitstellung, proaktive Kommunikation mit dem Eigentümer oder für eine Beratungsfunktion aufwenden.

In einem Interview vom September 2015 im Immobilien Business sagtest du: «Änderungsprozesse beschleunigen sich nicht merklich. Sie bleiben aber auf hohem Niveau stabil.» Wie stehst du heute, gut vier Jahre später, zu dieser Aussage?

Es liegt eine Veränderung vor, sie geht allerdings nicht sehr schnell. Die Technologie kann sich rasant entwickeln, sobald aber Menschen in Entwicklungen oder Veränderungen einbezogen sind, läuft es nicht mehr so schnell. Menschen sind träge – und das bei jeder Veränderung.


«Menschen sind träge – und das bei jeder Veränderung.»


 

Du hältst also an deiner Meinung fest. Weshalb?

Es sind Erfahrungen, die mich glauben lassen, dass eine Veränderung Zeit beansprucht. Insbesondere als Firma ist man häufig auch von den Kunden abhängig. Und manchmal ist es gar die Firmenkultur, die so festgefahren ist, dass eine Veränderung unglaublich viel Energie benötigt und deshalb aufgeschoben wird.

Zum Abschluss zu dir: Wie würdest du dich in der Rolle als Geschäftsführer beschreiben?

Eine Mitarbeiterin sagte mir einmal, ich sei ein Diktator. Wahrscheinlich meinte sie eher, dass ich nicht zu überhören bin, wenn mir etwas nicht passt... Und ich bin ungeduldig. Ausserdem bin ich ein Enthusiast. Ich kann mich selber und andere begeistern und mitziehen. Ich benötige wenig Energie, um diese Eigenschaft zu mobilisieren. 

Vielen Dank für das spannende Gespräch und alles Gute, David.


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